neuemodelle

weiter denken…

Monat: Mai, 2012

POLITIK IM DIGITALEN ZEITALTER

Man muss seriös formulieren können und etwas zum Verschenken haben. Das sind die zwei unumwundenen Voraussetzungen, um in der Politik Erfolg zu haben. Nun ist es so, dass durchaus sehr viele Menschen seriös reden können. Man wird wohl kaum behaupten, dass die Politik der letzten Jahrzehnte an mangelnder Eloquenz gescheitert wäre. Problematischer war schon immer das mit den Geschenken. Da geht es wohl Politikern nicht anders als Privatmenschen. Geburtstags- und Weihnachtsstress – wer kennt das etwa nicht? Ein Händchen für wirklich gelungene Geschenke haben eher wenige Menschen. Leider. Politiker haben durchaus manchmal ganz nette Geschenke versprochen, mussten sie aber Ende allzu oft vorenthalten, weil ihr Geldkonto unerwartet leer war: Steuersenkungen, kostenlose Ausbildung, sichere Renten… Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Ärgerlich für den Wähler, aber bittere Realität! Viel zu viele Versprechungen mussten auf zukünftige bessere Zeiten verschoben werden. Doch die Zeiten wurden nicht besser. Die Bürger wurden immer frustrierter. Politik-Verdrossenheit entwickelte sich zum Schlagwort der Journalisten. Auch Politikwissenschaftler wussten da nicht mehr weiter. Was bloß sollte ein Politiker verschenken, um sich beim Wähler wieder beliebt zu machen? Irgendwann nach der Wende zum 21. Jahrhundert machte es dann aber Click bei einigen ultramodern denkenden Politikern. Sie sinnierten, dass im Privatleben sehr häufig Musik, Filme und Bücher mit Erfolg verschenkt werden. Und sie nahmen zur Notiz, dass die Beschenkten meist am glücklichsten sind, wenn sie nicht konkrete Musik, Filme oder Bücher verpasst bekommen, sondern man ihnen Gutscheine schenkt. Das brachte sie auf die geniale Idee eines zeitlos gültigen und sich niemals aufbrauchenden Gutscheins für Musik, Filme und Bücher! Ein Gutschein, der die Staatskonten nicht plündert, aber die Bürger überglücklich macht: Das Ticket für freies Sharing aller digital verfügbaren Inhalte, egal von wem und woher. Die Bürger bekämen einfach die aus unerfindlichen Gründen bislang vorenthaltene Erlaubnis, sich gegenseitig zu beschenken, angestoßen durch dieses politische Initialgeschenk. Click. Um diesen Prozess in Gang zu bringen, bräuchten die politischen Pioniere nur ein paar begabte Ideologen und Redner, die jeden Verdacht zerstreuen könnten, dass die Politiker nicht doch irgendwo irgendetwas gestohlen hätten oder den Bürgern in Ermangelung besserer Geschenkideen einfach das Stehlen erlaubten und sich das rächen könnte. Aber das sollte sich ja als nicht zu schwierig erweisen, denn Eloquenz war, wie gesagt, nie ein Mangel in der Politik. Das neu erfundene Ticket würde also, richtig genutzt, tatsächlich vergleichbar mit einem Video-Musik-Bücher-Gutschein in unendlicher Milliardenhöhe – für jeden Bürger einzeln und in einem Leben nicht zu verbrauchen. Wer sich darüber nicht freuen würde, müsste schon ganz schön moralisch verkorkst, überskeptisch, spießig oder ewig-gestrig sein. Um also allein für diese Idee schon viele Wählerstimmen zu bekommen, appellierten diese ultramodernen Politiker besonders an den jungen, modernen, digital vernetzten Menschen. Um ihn zusätzlich zu belohnen, kamen sie auf die Idee, ein Sahnehäubchen obendrein zu verschenken: Das versprochene Recht auf Privatverkauf digitaler Inhalte. Schlaue könnten so immer mal wieder ein paar Euro an den Dümmsten der Dummen unter Freunden und Nachbarn verdienen, nämlich an denen, die es noch nicht kapiert haben sollten, wie das mit dem Gutschein geht. Wenn dieses Konzept nicht moderne Menschen anziehen und die Politikverdrossenheit besiegen würde, welches dann?

AK

GERECHTE STEUERN

Seit eh und je streiten sich politische Parteien um ein für alle Bürger gerechtes Steuersystem. Hier wird ein bisschen was erlassen, da ein bisschen was draufgeschlagen – von Regierung zu Regierung. Ein lächerliches Zerren um Prozentzahlen, bei denen jeder Bürger das mulmige Gefühl hat, sie würden ihm einfach ohne seine effektive Mitsprache aufgedrückt. Wie lange wollen wir diesen von diätengesteuerten Berufspolitikern inszenierten Zirkus noch mitmachen? Es könnte im Zeitalter der digitalen Vernetzung viel einfacher und gerechter sein. Jeder (!) gibt einen Zahlenwert ein, und der Durchschnittswert wird sofort (!) als Einheitssteuersatz gültig. Wie beim DAX kann man die Entwicklung verfolgen und sofort eingreifen, wenn sich etwas ungünstig entwickelt. Man gibt einfach einen neuen Wert ein. Ein liquider Steuersatz also, stetig dynamisch an die wahren Bürgerinteressen angepasst. Doch eine derart gerechte Besteuerung scheitert leider derzeit an zwei notwendigen Voraussetzungen. Erstens ist noch nicht jeder Mensch digital vernetzt. Somit könnte ein heute ermittelter Durchschnittswert nicht als human und gerecht betrachtet werden. Deshalb muss ein kostenloser Internet-Zugang zusammen mit einem mobilen netzfähigen Endgerät jedem Bürger garantiert werden. Zweitens, und das ist gewichtiger, ist nicht jeder Bürger kompetent, eine fundierte Individualentscheidung einzubringen. Das liegt an der Beschränkung der für den Bürger digital verfügbaren Informationen. Informationen werden nämlich aus rein wirtschaftlichen Interessen ihrer Erzeuger künstlich knapp gehalten. Verfassern von aufklärenden Texten ist mehr an ihrem Einkommen gelegen als an echter Aufklärung. Sie knüpfen die Verbreitung ihrer „Arbeit“ und sogar ihre „Arbeit“ selbst an monetäre Gegenleistungen. Un-Informiertheit von Menschen ist im Grunde ihr favorisierter gesellschaftlicher Grundzustand. Nur so können sie immer wieder häppchenweise ein bisschen informieren, falls es sich für sie lohnt. Mehr noch: Diese Verfasser sind sogar selbst der eigentliche Grund von Un-Informiertheit. Würden sie nämlich einfach einer kostenlosen digitalen Verbreitung ihrer Erzeugnisse zustimmen, träte Informiertheit ein. Aber das wollen sie nicht, wie man sieht. Schon in vordigitalen Zeiten haben sie die Gesellschaft manipuliert, ein Urheberrecht zu erlassen, das ihnen Kontrolle über ihre Erzeugnisse und ein höchst bedenkliches Mitspracherecht bei deren Entlohnung gibt. Manche von ihnen beziehen sogar als Lehrer oder Professoren vom Bürger gezahlte Alimente, um besser simulieren zu können, „frei“ zu denken und ihre Gedanken bedingungslos zu teilen. In Wahrheit wollen sie nur eine Garantiezahlung auch für Zeiten geistiger Windstille. Um all dies zu rechtfertigen, haben schlaue Menschen Denken als „Arbeit“ definiert, für die es einen Lohn zu zahlen gelte – als sei es nicht eine Grundeigenschaft von Menschen, zu denken und seine Gedanken zu teilen. Wohin würde es führen, wenn jeder Mensch sagen würde: „Ich denke, also bezahlt mich“? Es ist an der Zeit, diesen historisch gewachsenen Betrug aufzudecken und rückgängig zu machen. Das Urheberrecht ist, da es das Denken an ökonomische Maßgaben knüpft und einen künstlichen Mangel an Informiertheit schafft, zutiefst unmoralisch. Man kann es nicht auf einen Schlag abschaffen, aber es muss  so lange reformiert werden, bis sich seine Restbestandteile selbst auflösen. Es komme sodann der Tag, an dem jeder Mensch mit bedingungsloser Kompetenz über den gerechten und Frieden schaffenden Einheitssteuersatz mitentscheiden kann.

AK

Nachtrag: Zu überlegen wäre, bei allen derartigen Direktabstimmungsverfahren das Wahlrecht auf beliebig viele Avatare auszuweiten. Psychologische Studien zeigen, dass Avatare deutlich andere Charaktereigenschaften aufweisen können als die Menschen, die sie erschaffen haben. Somit könnte ein noch vielfältigeres und präziseres Bild der Gesellschaft zur Wirkung kommen, wenn auch Avatare stimmberechtigt wären.

FREIES KOPIEREN – GELD

Ich bin für ungehindertes Nachdrucken von Geldscheinen! Die Technik gibt’s schon lange her. Wir müssen uns dieser Realität endlich stellen. Man kann es letztlich gar nicht verhindern. Diese Verurteilungswellen müssen aufhören. Nur weil jemand Geld nachdruckt, nimmt er niemandem (!) etwas weg. Das kann man also nicht mit Taschendiebstahl vergleichen. Deshalb müssen „Geldfälscher“ (wie sie polemisch von der Geld-Gegenwert-Mafia genannt werden) entkriminalisiert werden. Allein schon der Begriff „Geldfälscher“ zeigt ein völlig abwegiges Verständnis der Realität, denn der zugrunde gelegte Geldschein sieht nach wie vor gleich aus:

Er ist unverändert! Wie kann er dann gefälscht sein? Und wie kann etwas eine Fälschung sein, das neu entstanden ist und haargenau so aussieht wie etwas, das ja auch keine Fälschung ist? Wer einen hochwertigen Drucker und gutes Papier rechtmäßig erworben hat, kann damit im übrigen machen, was er will, solange er nichts zerstört, was einem Anderen gehört. Sinnvoll und wichtig wäre ein Verbot von Wasserzeichen und Metallstreifen als Kopierschutz. Geld ist wichtig für Menschen. Da sollte man keine übertriebenen Barrieren schaffen. Diese Barrieren dienen nur einigen wenigen Lobbyisten, die auch so ans große Geld herankommen. Die Mehrheit der Bevölkerung muss darunter leiden. Ich glaube übrigens im Gegensatz zu einigen kulturpessimistischen Schreihälsen nicht, dass verantwortliche Bürger sich über die Höhe eines angemessenen bedingungslosen Grundeinkommens hinaus zu viel Geld drucken und keine Leistung als Gegenwert erbringen würden. Im Gegenteil. Durch einen modernen Umgang mit Geld können auch Leistungen entlohnt und dadurch vermehrt erbracht werden, die vorher durch die Maschen der verkrusteten Verteilstrukturen gefallen wären. Bürger sollen endlich selbst und ohne Überwachung darüber entscheiden können, ob ihre eigene Erscheinung oder Leistung etwas wert ist. Es muss eine direkte Verbindung zwischen Leistung und Entlohnung geschaffen werden. Alles dazwischen muss weg, vor allem diese monopolistische EZB, die sich nur selbst am Geld aufbläht. Durch die digitale Kommunikation und Nachrichtendienste wie Twitter kann Jeder zu jeder Zeit bekannt geben, was er geleistet hat und das auch dem Ausland gegenüber deutlich machen. Dass es zu wirtschaftlichen Einbrüchen im internationalen Gefüge käme infolge neuer Entlohnungsmodelle, ist im Übrigen wissenschaftlich nicht belegt. Eine aktuelle von einem großen Internetkonzern großzügig gestiftete und unabhängige Studie hat ergeben, dass Menschen – auf sich selbst gestellt – eher zur Bescheidenheit neigen. Man muss sich entgegen alter Vorurteile vor Augen führen, wie viele der gegenwärtig diskutierten Probleme auf einen Schlag gelöst wären, wenn wir uns endlich für einen modernen Umgang mit Geld und Leistungs-Entlohnung entscheiden könnten.

AK

Nachtrag: Die Tatsache, dass handelsübliche Drucker eine Sperre haben müssen, die es verhindert, Banknoten zu drucken, ist ein höchst bedenklicher und moralisch verwerflicher Gesellschaftlicher Missstand, der einen künstlichen Mangel an Banknoten schafft und daher schnellstens zu beseitigen ist. Vielmehr sollte die freie Verbreitung digitalisierter Banknoten gefördert werden, da es ökologisch wie ökonomisch unsinnig ist, dass jeder Mensch sich einen Scanner anschaffen muss. Die Verlogenheit der mafiösen Geldwirtschaft zeigt sich schon darin, dass faktisch eine digitale Verbreitung von Banknoten sogar stattfindet: Jeder Drucker enthält ja, um Banknoten zu erkennen, ein digitales Abbild ebendieser. Aber diese Speicherung wird zu dem negativen Zweck der Mangelherstellung benutzt. Der positive Zweck – eine höhere Geldverfügbarkeit – wird arglistig verhindert.

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