GERECHTE STEUERN

von neuemodelle

Seit eh und je streiten sich politische Parteien um ein für alle Bürger gerechtes Steuersystem. Hier wird ein bisschen was erlassen, da ein bisschen was draufgeschlagen – von Regierung zu Regierung. Ein lächerliches Zerren um Prozentzahlen, bei denen jeder Bürger das mulmige Gefühl hat, sie würden ihm einfach ohne seine effektive Mitsprache aufgedrückt. Wie lange wollen wir diesen von diätengesteuerten Berufspolitikern inszenierten Zirkus noch mitmachen? Es könnte im Zeitalter der digitalen Vernetzung viel einfacher und gerechter sein. Jeder (!) gibt einen Zahlenwert ein, und der Durchschnittswert wird sofort (!) als Einheitssteuersatz gültig. Wie beim DAX kann man die Entwicklung verfolgen und sofort eingreifen, wenn sich etwas ungünstig entwickelt. Man gibt einfach einen neuen Wert ein. Ein liquider Steuersatz also, stetig dynamisch an die wahren Bürgerinteressen angepasst. Doch eine derart gerechte Besteuerung scheitert leider derzeit an zwei notwendigen Voraussetzungen. Erstens ist noch nicht jeder Mensch digital vernetzt. Somit könnte ein heute ermittelter Durchschnittswert nicht als human und gerecht betrachtet werden. Deshalb muss ein kostenloser Internet-Zugang zusammen mit einem mobilen netzfähigen Endgerät jedem Bürger garantiert werden. Zweitens, und das ist gewichtiger, ist nicht jeder Bürger kompetent, eine fundierte Individualentscheidung einzubringen. Das liegt an der Beschränkung der für den Bürger digital verfügbaren Informationen. Informationen werden nämlich aus rein wirtschaftlichen Interessen ihrer Erzeuger künstlich knapp gehalten. Verfassern von aufklärenden Texten ist mehr an ihrem Einkommen gelegen als an echter Aufklärung. Sie knüpfen die Verbreitung ihrer „Arbeit“ und sogar ihre „Arbeit“ selbst an monetäre Gegenleistungen. Un-Informiertheit von Menschen ist im Grunde ihr favorisierter gesellschaftlicher Grundzustand. Nur so können sie immer wieder häppchenweise ein bisschen informieren, falls es sich für sie lohnt. Mehr noch: Diese Verfasser sind sogar selbst der eigentliche Grund von Un-Informiertheit. Würden sie nämlich einfach einer kostenlosen digitalen Verbreitung ihrer Erzeugnisse zustimmen, träte Informiertheit ein. Aber das wollen sie nicht, wie man sieht. Schon in vordigitalen Zeiten haben sie die Gesellschaft manipuliert, ein Urheberrecht zu erlassen, das ihnen Kontrolle über ihre Erzeugnisse und ein höchst bedenkliches Mitspracherecht bei deren Entlohnung gibt. Manche von ihnen beziehen sogar als Lehrer oder Professoren vom Bürger gezahlte Alimente, um besser simulieren zu können, „frei“ zu denken und ihre Gedanken bedingungslos zu teilen. In Wahrheit wollen sie nur eine Garantiezahlung auch für Zeiten geistiger Windstille. Um all dies zu rechtfertigen, haben schlaue Menschen Denken als „Arbeit“ definiert, für die es einen Lohn zu zahlen gelte – als sei es nicht eine Grundeigenschaft von Menschen, zu denken und seine Gedanken zu teilen. Wohin würde es führen, wenn jeder Mensch sagen würde: „Ich denke, also bezahlt mich“? Es ist an der Zeit, diesen historisch gewachsenen Betrug aufzudecken und rückgängig zu machen. Das Urheberrecht ist, da es das Denken an ökonomische Maßgaben knüpft und einen künstlichen Mangel an Informiertheit schafft, zutiefst unmoralisch. Man kann es nicht auf einen Schlag abschaffen, aber es muss  so lange reformiert werden, bis sich seine Restbestandteile selbst auflösen. Es komme sodann der Tag, an dem jeder Mensch mit bedingungsloser Kompetenz über den gerechten und Frieden schaffenden Einheitssteuersatz mitentscheiden kann.

AK

Nachtrag: Zu überlegen wäre, bei allen derartigen Direktabstimmungsverfahren das Wahlrecht auf beliebig viele Avatare auszuweiten. Psychologische Studien zeigen, dass Avatare deutlich andere Charaktereigenschaften aufweisen können als die Menschen, die sie erschaffen haben. Somit könnte ein noch vielfältigeres und präziseres Bild der Gesellschaft zur Wirkung kommen, wenn auch Avatare stimmberechtigt wären.