PIRAT IN ALLEN LEBENSLAGEN

von neuemodelle

Manchmal muss man einfach mit Piraten sprechen, um sich vom Eindruck verabschieden zu können, sie wollten Urheber ausbeuten. Ich muss sagen: Sie sind echte Verbündete. Sie geben unfassbar wertvolle Tipps, die sogar im allgemeinen Leben weiterhelfen. Natürlich behalte ich die Tipps nicht bei mir, denn, liebe Leute: Sharing is Caring.

1)   Autoren, Musiker und Filmemacher sollen sich ein Beispiel an der Softwareindustrie nehmen. Die nämlich bietet vieles kostenlos im Netz (open source) an, verdient aber trotzdem gutes Geld, nämlich durch Support-Hotlines. Die sind einfach ein bisschen schlauer und moderner als die Künstler. Glatt ertappt. Krass. Dass ich darauf nicht selbst gekommen bin… Ich habe mich doch oft genug über seltsam versteckte Speicherfunktionen und Hotlines aufgeregt, die mich für 1,89 € pro Minute eine halbe Stunde warten lassen. Aber jetzt! Ich baue ab sofort schiefe Töne ein und lasse in der Mitte eines Songs die Hotline-Nummer singen, damit die Leute mich anrufen. Hände reib! Und ich freue mich schon auf Bücher mit vermasselten Pointen, deren korrigierte Fassung ich mir am Telefon liebevoll und langsam vorlesen lassen kann.

2)   Es ist mies und gemein, von Gratis-Mentalität zu sprechen. Denn die meisten Leute zahlen fette 30 Euro für ihren Handy-Vertrag. Da ist vielleicht einfach nicht mehr drin. Ja, klar! Dass ich darauf nicht selbst gekommen bin… Ich zahle im Restaurant ab jetzt nur noch mein Essen – für die Getränke ist einfach nichts mehr drin. Korrekt! Und vielleicht bekomme ich ja auch einen kostenlosen Zweit-Handyvertrag bei einem anderen Anbieter, wenn ich meinen Erstvertrag vorzeige, denn mehr ist einfach nicht drin!

3)   Privatnutzung von Inhalten im Netz muss kostenfrei möglich sein, wenn der Nutzer nichts mit den Inhalten verdient. Boah, wie man abgezockt wird, wenn man nicht nachdenkt. Ich hätte nie GEZ-Gebühren zahlen müssen, weil ich nie Geld mit dem Fernsehen verdient habe. Das tut weh. Aber für all die nutzlosen Produkte, die ich nur gekauft habe, weil ich RTL- oder Youtube-Werbung gesehen habe, beantrage ich rückwirkend noch Kostenerstattung, denn ich habe ja auch nichts verdient. Und ich gehe jetzt immer dann ins Kino, wenn der Ticketverkauf schon aufgehört, der Film aber noch nicht angefangen hat. Ich setze mich auf einen frei gebliebenen Platz, da ich niemandem etwas wegnehme (außer ein bisschen Luft) und nichts verdiene. Mensch, mensch, mensch…

4)   Geistiges Eigentum muss man nicht schützen, sondern nutzen. Das Netz dient seiner Verbreitung in Datenform. Na endlich! Endlich bin ich versöhnt mit Google und Facebook, wenn die meine Daten ausschlachten: Daten muss man nicht schützen, sondern nutzen. Alles im grünen Bereich… Doch halt! Das hat der Pirat irgendwie anders erklärt: Private Informationen sind eine neue Form des geistigen Eigentums. Man sollte sie schützen. Hä? Das Netz muss doch frei sein! Grübel. Dann wiederum hat er gesagt, dass Künstler, die nicht einverstanden sind, wenn man Handy-Mitschnitte ihrer Konzerte einfach so ins Netz stellt, es nicht verdient haben, von ihrer Künstlerschaft leben zu können. Und wenn jemand den Mitschnitt mit seinem eigenen Handy gemacht hätte, dann hätte er doch das Recht, diesen Mitschnitt zu verbreiten. Äh… Dann müsste also Google eine eigene Technik verwenden, um aus dem Schneider zu sein. Aber tun die das nicht längst? Wieso also sollen die einen Daten geschützt und die anderen genutzt werden?

Naja, man kann ja nicht alles sofort verstehen. Ich glaube, ich muss bald wieder mit Piraten sprechen. Dann bin ich bald für alle Lebenslagen gerüstet. Thumbs up!

AK