neuemodelle

weiter denken…

Monat: Januar, 2013

KIM DOTCOM, JETZT GEMA IN DICH! AUCH YOUTUBE IST CLEVER!

Lieber Kim Dotcom,

ich verstehe ja, dass du einen MEGA-Hals hast. Da hast du alles so perfekt arrangiert und genau ein Jahr nach dem fiesen FBI-Überfall auf dich und deine altruistische Weltverbesserungsfirma Megaupload dein Comeback inszeniert. Jeder musste vor Rührung heulen. So wie du jedes mal heulst, wenn du Titanic siehst. Vor allem, wenn du so schöne Sachen gesagt hast wie:

MegaKim

Umgeben von deinen Armee-Mädels hatte das richtig Pathos. Ganz großes Kino! Natürlich hast du ein Video davon auf Youtube geshared, denn du bist ja einfach viel großzügiger als die abgezockten Titanic-Produzenten, die das nie machen würden mit ihrem Billig-Scheiß. Aber dann irgend so was hier:

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Wie sehr dir das weh getan haben muss, armer Kim! Dein Video mit deiner Musik – gesperrt in deinem Geburtsland. Und das nur, weil es technisch möglich ist, obwohl es nicht moralisch ist! Und dann noch von der Scheiß-Copyright-Missbrauchs-Klitsche Gema. Und das nach all deinen Qualen im letzten Jahr. Ja, du hast Recht, das ist unglaublich:

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Wenn man so hintergangen wird, hat man wirklich allen Grund, seine Rechtsabteilung zu konsultieren und eine böse Abmahnung zu schicken:

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Nur, Kim, jetzt gema in dich! THE TRUTH WILL COME OUT, wie du ja fest glaubst. In diesem Fall müsstest du die Wahrheit doch eigentlich in dir selbst finden. Glaubst du wirklich, dass die Gema einfach mal auf Verdacht irgendwelche Videos sperren lässt? Könnte es nicht so sein, dass Youtube diese Sperrungen nach Lust und Laune durchführt, um der Gema ans Bein zu pissen anstatt für Musiknutzung zu zahlen? Das müsstest du doch eigentlich verstehen, Kim. Du pisst doch auch allen ans Bein, die meinen, dass du dich schmarotzerhaft mit Geldern vollstopfst, die es ohne die vielen Filme, Bücher und Musiktitel, die du – weil es technisch möglich ist – an deinen Angelhaken hängst, nie geben würde. Kapiert? Ok, vielleicht willst du Youtube nicht böse sein, weil ihr zu ähnlich seid. Jedenfalls ist doch nichts passiert. Es hat im Internetkrieg leider einfach mal für ein paar Stunden dich als Bauernopfer getroffen. Das ist vielleicht eine neue Rolle für dich. Aber: Mensch Kim, da stehst du doch drüber!

Du musst dich jetzt auch nicht gleich schämen, weil du das Internet doch nicht verstanden hast. Fast Jeder hier im Land denkt, dass die Gema Videos sperren lässt. Sogar die hochkompetente Online-Presse. Erstaunlich, was für eine Massenverblödung die blöde kleine Flimmerkastenfresse angerichtet hat! Es mag dir nicht passen: Du bist nicht allein, Verschlüsselungs-Kim! Auch Youtube ist clever!

Vielleicht hilft es dir, dich mit einem kleinen Spiel abzuregen: Tausch doch mal mit deinen Buddies ein bisschen die Bälle:

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AK

PIRATEN AUS NIEDERSACHSEN, WOLLT IHR NOCH WAS SAGEN?

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GRATISMENTALITÄT – 2013 WIEDER ERLAUBT?

Am 18.12.2012 drischt Sascha Lobo auf Kulturstaatsminister Bernd Neumann ein, weil der gern „Gratismentalität“ sagt: Der Begriff ist Unsinn und unterstellt dem Volk erwiesenermaßen zu Unrecht, Urheberrechte im Internet nur deshalb zu missachten, weil es für digitale Produkte nicht zahlen will. Nun gut. Aber gleichzeitig leugnet wohl niemand, dass ein an sich legitimes Interesse im Volk besteht, Produkte preisgünstig oder auch gratis zu bekommen. Gibt man bei Google „film download“, „musik download“, „buch download“ oder „software download“ ein, wird immer auch der Ergänzungsvorschlag „kostenlos“ gemacht. Lobos Verärgerung wird, vor dem eigentlichen Clou, auf jeden Fall etwas verständlicher, wenn man sieht, was er nicht so explizit erwähnt: Es muss das illegale Angebot ja erstmal mitsamt einer funktionierenden Zahlungs-Infrastruktur für Werbedienste geben. Dazu gehören Viele, nicht nur die Nutzer, die daher wirklich nicht alle Schuld am Piraterie-Problem tragen. Und: Google selbst – nicht Herr Neumann, wie Sascha Lobo polemisiert – ist „gratismental“. Der Suchmaschinenbetreiber kämpft beharrlich durch millionenschwere Unterstützung von Politik und Wissenschaft für die Beschneidung von Copyrights und Urheberrechten. Und wirbt selbst auf illegalen Portalen. Warum? Er und seine für ihn besonders attraktiven Gratis-Anbieter wollen selbst das meiste Geld am Vertrieb digitaler Inhalte verdienen und dabei möglichst wenig – gern auch gar nichts – an die Erschaffer der Inhalte abgeben. Die ach so geheiligten Nutzer sind nur Mittel zum Zweck im Milliardengeschäft. Inhalte ungeachtet der Interessen ihrer Hersteller gratis nehmen (oder geschickt durch Nutzer nehmen lassen) und durch Werbekunden teuer bezahlt möglichst ohne Beteiligung der Hersteller wiederum gratis einer größeren Zahl von Nutzern zugänglich machen ist die mal mehr, mal weniger direkt umgesetzte Maxime der Google- und Facebook-Familien ebenso wie der einschlägigen illegalen Anbieter.

Also sind es ein bisschen die Nutzer und ein bisschen die Netz-Dienste, die das Real-Gespenst der Gratis-Mentalität in ihre Mitte nehmen. Es im Bereich der unregulierten Verbreitung digitaler Inhalte völlig vom Nutzer weg reden zu wollen, ist in einer Welt, die an allen Ecken mit Billig- und Gratisangeboten wirbt, albern. Wer gern mit Worten bastelt, kann natürlich gern für „Mentalität“ einen besseren Ersatz finden. Aber das ist wohl eher Beiwerk.


Und jetzt kommt der Clou. Zum 01.01.2013 klärt uns Sascha Lobo darüber auf, „was man 2013 über das Internet wissen muss, um die Welt zu verstehen“. Er merkt vorsichtig an, dass Google zu groß und börsenorientiert ist, um „gut“ zu sein. Wichtigstes Thema des neuen Jahres sei aber Netzneutralität: „Zur größten Bedrohung für die Netzneutralität könnten in den kommenden Jahren nicht die Telekommunikationsunternehmen werden – sondern deren Kunden. Und zwar genau dann, wenn sie in Massen entscheiden, dass ein kostenloses Paket aus Facebook, YouTube, Chat und ein paar Dreingaben ausreicht.“ Der Hammer! Die armen Nutzer sind also Schuld daran, wenn Netzanbieter andere Nutzungsarten ausschließen und so die Netzneutralität mit Füßen treten? Wahnsinn. Da haben Piraten 2012 doch so sehr versucht, uns weis zu machen, dass die Gewohnheiten der Netz-Nutzer vorgeben, was legal, hoch moralisch, modern und schlichtweg einzig richtig ist. Sie und Lobo waren sich einig: Gratis-Mentalität ist nicht das Thema, und Nutzer gehören entlastet. Und jetzt das. Netz-Nutzer sind Mit(!)verursacher, dass das Netz nicht so werden könnte, wie es eigentlich sein sollte, und zwar ausgerechnet durch ihren Hang zum Gratis-Angebot! Schade, dass Lobo den falschen Begriff kurz vorher ausradiert hat, denn hier böte er sich wirklich an. Oder ist er 2013 wieder erlaubt? Anderenfalls wäre es seltsam, dass nur, wenn es um die Kreativbranche geht, die Argumentation, „das Problem möge doch bitteschön bei den ungezogenen Kunden liegen und damit nicht im eigenen Angebot“ von Lobo zum No Go erklärt wird, während im anderen Thema das Angebot die mechanische Abbildung des fragwürdigen Nutzerverhaltens darstellen soll.

Die unglaubliche Botschaft zusammengefasst: Im Bereich digitalisierter Kulturgüter geben bitteschön die Nutzer vor, wie das Netz zu funktionieren hat – koste es die Interessen der Kreativen zu Gunsten der Nutzer, wenn die Kreativbranche die Quadratur des Kreises nicht schafft: mit Gratis-Anbietern durch Bezahl-Angebote konkurrieren und dabei den Längeren ziehen. Beim Thema Netzneutralität sind die Nutzer eine Bedrohung für das Netz, wie es eigentlich zu funktionieren hat – koste es die  Solidarisierung der Netzhüter mit den Nutzern zu Gunsten von Wertvorstellungen, die über das Netz gestellt werden. Das heißt erstmal: Man versteht 2013 die Welt, wenn man sie nicht mehr versteht. Naja, wo sie schon nicht untergegangen ist, kann man das verschmerzen. Oder deutet sich hier ein gutes Vorzeichen an, dass man 2013 verstehen wird, dass das Netz inklusive all seiner Beteiligten verbindliche Wertvorstellungen und Regulierungen braucht, die sich nicht allein aus dem Netz selbst entwickeln?

AK

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