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weiter denken…

Monat: April, 2014

LICHTNAHRUNG STATT URHEBERRECHT

Gern wird in diesen Tagen das Urheberrecht von Politikern zur Disposition gestellt, um den Weg für ein „freies Internet“ zu ebnen. Das Urheberrecht sorgt schließlich dafür, dass die Erschaffer von Musik, Film, Literatur und Fotografie ihren Anteil einfordern dürfen, wenn Plattformen einen wirtschaftlichen Vorteil durch Einbindung der Werke haben. Eigentlich ist das Urheberrecht der Inbegriff von fairem Ausgleich zwischen wirtschaftlich stärkeren Verwertern und wirtschaftlich schwächeren Kreativschaffenden. Gerade im linken politischen Spektrum sollte es akzeptiert sein.

Dem ist aber nicht so. Zu sehr drängt das Verlangen der Allgemeinheit nach kostenlosem Medienkonsum auf Verwirklichung in der politischen Agenda. Und zu sehr sorgt das Urheberrecht dafür, dass Plattformen einflussreicher und lautstark wetternder Firmen, die die Werke der Kreativschaffenden „verschenken“ (um sich selbst die Werbeeinnahmen einzustecken), sich über Abgaben und Gewinneinbußen ärgern. Zu sehr haben manche Vertreter der Grünen und der Linkspartei ihre Segel in den Wind des Digital-Kapitalismus gehangen, als dass sie noch mehr als symbolisch Rücksicht auf die (fürs Wahlergebnis irrelevanten) Kreativschaffenden nehmen könnten. Ausgleich ist für sie nicht mehr, dass Erlöse aus kreativer Leistung fair aufgeteilt werden. Ausgleich ist vielmehr, wenn kreative Leistung kostenlos erschwinglich wird und die Lobbyisten der Netz-Monopolisten zufrieden sind.

Aber durchaus machen sich einzelne Politiker intensivere Gedanken, weil sie wissen, dass das kreative Gut, das sie für ein paar mehr Wählerstimmen so gern für lau unters Volk verteilen, mit der Zeit schwinden könnte. „Grundeinkommen statt Urheberrecht?“ heißt die – zum Selbstschutz mit einem Fragezeichen versehene – Antwort des Politikers Ilja Braun von der Linkspartei. Als Ausdruck der Komplexität seiner Idee hat er ein ganzes Buch geschrieben, allerdings kann man den Grundgedanken auch – zeitgemäß kostenlos – auf der für Urheberrechtsdemontagen empfänglichen Plattform iRIGHTS.info (deren Finanziers so bekannt sind wie Helmut Kohls Spender) lesen.

Es entfaltet sich ein bestechend einfaches Gedankenmodell: Das Urheberrecht sollte ja mal die Autonomie und den Lebensunterhalt von Kreativen sichern. Kreativ sind heute aber „irgendwie alle“, und insofern kann die Vergütung der Kreativen in eine Zuwendung transformiert werden, die allen zugute kommt: Das Bedingungslose Grundeinkommen. Dass es wenige Kreative gibt, deren Werke massenhaft rezipiert werden und viele Kreative, die nichts Ergiebiges beisteuern, kümmert ihn genau so wenig wie die Piratenpartei, die auf eine ähnliche gedankliche Gleich(mach)ung setzt. Kreativität ist schließlich „demokratisiert“. Das klingt toll, und danach ist es gestrig, zwischen einem Bestseller-Autor und dem Verfasser einer Produktrezension bei Amazon zu unterscheiden. Beide sind kreativ. Gleichwertig. Basta.

Dieser von nicht zu glaubendem Respekt für die professionell und erfolgreich tätigen Kreativschaffenden getragene Gedanke könnte also alle Probleme des Urheberrechts in der digitalen Gesellschaft mit einer Keule lösen: Das Urheberrecht kann weg, wenn Kreative (also Alle) sowieso ein Dach über dem Kopf hätten und nicht verhungern müssten.

Das ist revolutionär. Das Recht des Stärkeren wird durch die politische Linke mit gesellschaftlicher Fairness digital versöhnt. Das ließe sich ausbauen. Man muss das Bedingungslose Grundeinkommen gar nicht überstrapazieren. Wenn Menschen endlich in der Lage wären, ihre physische Energie aus stets kostenlos vorhandenem Licht zu ziehen, bräuchten sie keine Beteiligungen am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Leistung. Sie könnten im Gegenzug ihre Werke kostenlos ins Netz stellen – zum Wohle der Gesellschaft und der Monopolisten. Lichtnahrung statt Urheberrecht. Der Begriff Hungerkünstler bekäme eine positive, zeitgemäße Dimension. Ausbaufähig ist der Gedanke vor allem (und wenn einem das zu esoterisch ist) aber auch in eine andere Richtung: Alle Schutzrechte können bald abgeschafft werden. Wozu brauchen wir etwa noch aufwändig durchzusetzenden Kündigungsschutz? Es muss doch endlich in Ordnung sein dürfen, wenn ein Unternehmen seinen Arbeitnehmer mal eben in die Wüste schickt, wo kostenlos die Sonne scheint und ihm sein bedingungsloses Grundeinkommen niemand nehmen kann.

AK

FAIRE C3S-ALTERNATIVE GEFRAGT

Die Cultural Commons Collecting Society, kurz C3S, ist nun eine eingetragene Genossenschaft und kann den Betrieb aufnehmen. Ziel ist der Betrieb als Verwertungsgesellschaft für musikalische Urheber. Zwar fehlen für eine Zulassung beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) noch 2.200 von 3.000 notwendigen Mitgliedern, aber die können ja noch kommen. Immerhin bezeichnet sich die C3S schon seit Jahren als „faire GEMA-Alternative„. Und was fair ist, müsste doch Musikurheber und Musiknutzer gleichermaßen überzeugen.

Es gibt da nur ein kleines Grundsatzproblem: Die vermeintliche Fairness der „Cultural Commons Collecting Society“ (C3S) wird – streng genommen – schon durch ihren Titel widerlegt. „Cultural Commons“ steht für kulturelles Gemeingut. „Collecting“ steht für das Schließen von Lizenzverträgen zum Abgabeneinzug mit Werknutzern. Und „Society“ deutet wohl auf das Ziel eines geschäftsmäßigen Auftretens hin. Wie geht das alles zusammen? Kulturelles Gemeingut wird gemeinhin als gemeinfrei verstanden. Wer außer einem gemeinen Abzocker käme auf die Idee, dafür plötzlich Lizenzabgaben einzuziehen? (Und wird die C3S etwa abmahnen, wenn ein Nutzer die Abgaben nicht zahlt?) Das Urheberrecht sieht solche Lizenzabgaben jedenfalls zum Wohle der Allgemeinheit nicht vor. Und die GEMA, im Umkreis der C3S nicht selten ohne nähere Kenntnis als Abzockerverein hingestellt, hat hier keinen geltenden Tarif. Sie zieht lediglich Lizenzabgaben für musikalisches Kulturgut ein, das geistiges Eigentum und eben nicht kulturelles Gemeingut ist. Das macht mehr Sinn und ist auch fairer.

Nur versteht es die GEMA nicht, sich mit rhetorischem Bluff als fair in die Köpfe der Menschen zu graben. Aber vielleicht wird sie ja als „faire Alternative“ gefragt sein, wenn die C3S erstmal mit der Wahrnehmung von Rechten begonnen und sich bei ersten zahlungspflichtigen Nutzern unbeliebt gemacht hat. Fair allein schon, weil sie ohne Etikettenschwindel im Titel auskommt und nicht durch „Gemeingut“ suggeriert, hier gäbe es frisches Kulturgut umsonst. Denn gäbe es das wirklich, bräuchte man keine Collecting Society. Oder es wäre verdammt unfair gegenüber den vertretenen Kulturschaffenden.

AK

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