FAIRE C3S-ALTERNATIVE GEFRAGT

von neuemodelle

Die Cultural Commons Collecting Society, kurz C3S, ist nun eine eingetragene Genossenschaft und kann den Betrieb aufnehmen. Ziel ist der Betrieb als Verwertungsgesellschaft für musikalische Urheber. Zwar fehlen für eine Zulassung beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) noch 2.200 von 3.000 notwendigen Mitgliedern, aber die können ja noch kommen. Immerhin bezeichnet sich die C3S schon seit Jahren als „faire GEMA-Alternative„. Und was fair ist, müsste doch Musikurheber und Musiknutzer gleichermaßen überzeugen.

Es gibt da nur ein kleines Grundsatzproblem: Die vermeintliche Fairness der „Cultural Commons Collecting Society“ (C3S) wird – streng genommen – schon durch ihren Titel widerlegt. „Cultural Commons“ steht für kulturelles Gemeingut. „Collecting“ steht für das Schließen von Lizenzverträgen zum Abgabeneinzug mit Werknutzern. Und „Society“ deutet wohl auf das Ziel eines geschäftsmäßigen Auftretens hin. Wie geht das alles zusammen? Kulturelles Gemeingut wird gemeinhin als gemeinfrei verstanden. Wer außer einem gemeinen Abzocker käme auf die Idee, dafür plötzlich Lizenzabgaben einzuziehen? (Und wird die C3S etwa abmahnen, wenn ein Nutzer die Abgaben nicht zahlt?) Das Urheberrecht sieht solche Lizenzabgaben jedenfalls zum Wohle der Allgemeinheit nicht vor. Und die GEMA, im Umkreis der C3S nicht selten ohne nähere Kenntnis als Abzockerverein hingestellt, hat hier keinen geltenden Tarif. Sie zieht lediglich Lizenzabgaben für musikalisches Kulturgut ein, das geistiges Eigentum und eben nicht kulturelles Gemeingut ist. Das macht mehr Sinn und ist auch fairer.

Nur versteht es die GEMA nicht, sich mit rhetorischem Bluff als fair in die Köpfe der Menschen zu graben. Aber vielleicht wird sie ja als „faire Alternative“ gefragt sein, wenn die C3S erstmal mit der Wahrnehmung von Rechten begonnen und sich bei ersten zahlungspflichtigen Nutzern unbeliebt gemacht hat. Fair allein schon, weil sie ohne Etikettenschwindel im Titel auskommt und nicht durch „Gemeingut“ suggeriert, hier gäbe es frisches Kulturgut umsonst. Denn gäbe es das wirklich, bräuchte man keine Collecting Society. Oder es wäre verdammt unfair gegenüber den vertretenen Kulturschaffenden.

AK