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Kategorie: Clubsterben

PIRATENSCHEIN – ALLE PRÜFUNGSFRAGEN ZUM ÜBEN

Nachfolgend finden Sie die Prüfungsfragen zum Piratenschein, direkt vom Server der Piratenpartei gehackt. Sie sollen der freien Wissensgesellschaft nicht länger vorenthalten werden. Das dient der Vorbereitung auf die äußerst verzwickte Unreifeprüfung. Aufgrund der sehr hohen Durchfallquote (auch inhaltlich) wird die Vorbereitung dringend empfohlen. Außerdem sollten Sie sich schnell zum Test anmelden, denn die Piratenpartei könnte bald komplett abschrammen. Holen Sie sich schnell den Schein – ein must-have! Er gibt das „Recht auf Privatkopie“ und ist daher wie eine ungedeckte, zeitlos gültige Kreditkarte im Netz. Man bekommt damit alles, und zwar umsonst!

DURCHFÜHRUNG

Zu den Fragen 1 bis 22 werden jeweils vier Antworten vorgeschlagen. Schreibe ein JA hinter jede zutreffende Antwort. Die Punktzahl für den Fall, dass du Recht hast, steht in Klammern. Einfache Bashups oft gedroschener Piraten-Phrasen werden mit 5 Punkten bewertet, visionäre Transferantworten mit 10 Punkten. Es können, logisch addiert, maximal 542,5 Punkte erreicht werden. Der Test wird auch nur bei Erreichen der vollen Punktzahl bestanden. Allerdings gibt es alternativ auch das Ponader-SMS-Spiel. Da kann man den Piratenschein durch nur eine Frage bekommen. Dazu später. Viel Erfolg beim Üben!

PRÜFUNGSFRAGEN

1)   Ausweichregeln: Wenn du mit Fakten gegen dein Wunschdenken belästigt wirst, kannst du

  1. auf ein populistischeres Thema ausweichen. (5)
  2. genervt anmerken, dass die Netzgemeinde so nicht denkt. (5)
  3. stöhnen: „Ey, Alte/r, du bist echt sowas von… moralisch, ey!“ (5)
  4. behaupten, dass empirische (von Empiraten durchgeführte) Studien das Gegenteil beweisen. (5)

2)   Wenn du bei einer unlogischen Argumentation ertappt wirst (der „Piraten-Klassiker“), solltest du

  1. deinen nächsten Satz beginnen mit „die Piratenpartei steht dafür, dass…“. (5)
  2. gelangweilt anmerken, dass der Widerspruch nur in der alten analogen Welt besteht. (5)
  3. auf dein Smart Phone schauen, weil ein wichtiger Tweet reinkam. (5)
  4. von Liquid Feedback faseln (aber nicht erwähnen, dass die Programmierer sich von der Piratenpartei distanziert haben). (5)

3)   Wer freiwillig für Kunst und Kultur im Netz bezahlt (also jeder Bürger),

  1. der fährt auch freiwillig Tempo 50 in Ortschaften (Verkehrsschilder können abgeschafft werden). (10)
  2. kann über Gesetzesänderungen aller Art abstimmen, sofern er zwei Stunden am Tag surft und daher kompetent ist. (10)
  3. zahlt auch freiwillig Steuern (Finanzämter müssen auf Mahnungen und Betriebsprüfungen verzichten). (10)
  4. zahlt nur seinen Piratenpartei-Beitrag nicht freiwillig, was aber auch die einzige Ausnahme vom Prinzip ist. (5)

4)   Filmwerke, die aus (Scheiß-)GEZ-Geldern bezahlt wurden, gehören der Öffentlichkeit. Drehbücher müssen ins Netz. Deshalb

  1. sollten auch steuerfinanzierte Atombomben-Baupläne ins Netz. Verantwortliche Weltbürger machen nichts Schlimmes. (10)
  2. gehört Johannes Ponader seinen Spendern. (5)
  3. kannst du die Drehbücher selbstverständlich non-kommerziell verkaufen (Privatverkauf der Privatkopie). (5)
  4. darfst du aus mindestens zwei Drehbüchern ein eigenes zusammenmashen (transformative Werknutzung) und dir einen Proscar (höchster Prosumentenpreis) saugen. (10)

5)   Raubkopie: Wer den Begriff ablehnt, darf auch

  1. den Begriff Rufmord ablehnen, da das damit verbundene Handeln ja eine Form der Fürsorge ist, niemandem etwas wegnimmt, den vermeintlichen Opfern Bekanntheit und neue Selbstartikulationschancen eröffnet. (10)
  2. Geldscheine kopieren, wenn er das Original niemandem geraubt hat und die Geldscheine nur non-kommerziell (Privatgebrauch) ausgibt. (10)
  3. endlich verstehen, dass es Urhebern nicht weh tut, wenn man ihre Werke nach Belieben kopiert und verbreitet. Sie sind sogar dankbar, denn Hunger macht kreativ. (5)
  4. nicht jammern, wenn er ungefragt non-kommerziell geclont wird (Privatkopie / freie Erbinformationsgesellschaft). (10)

6)   Geistiges Eigentum: Wer den Begriff ekelhaft findet und als Kampfbegriff anprangert, der

  1. findet den Begriff „PrivilegienmuXXXi“ [blocked due to disgust issue] zum Reinbeißen. (5)
  2. darf sich als Pirat dennoch an den Vorteilen des geistigen Eigentums bereichern, wenn er klarstellt, dass er damit keine Piraten-Ideale verletzen möchte und sein Eigentum ganz sicher später mal nach dem Omi-Räumt-Den-Speicher-Auf-Prinzip dem Volk übergeben wird. (5)
  3. findet, dass „Content Mafia“ ein Versöhnungsbegriff ist. (5)
  4. versteht, dass die Werke anderer Menschen grundsätzlich weniger Schutz brauchen als eigene, weil man’s ja auch schwer hat. (5)

7)   Nicht-kommerzielle Nutzung von Literatur, Film, Musik, …: Sie muss im Netz kostenfrei für den Privatgebrauch sein. Das bedeutet, dass

  1. man Werke anderer Menschen für seine Homepage, Social Networks oder privates Verteilen über Tauschbörsen benutzen darf, wenn man die Originaldatei nicht heimtückisch vernichtet. (5)
  2. man Werke anderer Menschen durch nichtgewerbliche Mashups und Remixes verändern darf, was die Werke verbessert. (5)
  3. man als Pirat dennoch bei Major-Verlagen veröffentlicht und die nicht-kommerzielle Verbreitung im Netz behindert (wer zum Wohle des Volkes Wasser predigt, darf zum Dank Wein trinken! Prost auf Erich!). (5)
  4. der private Verkauf dieser Werke jederzeit möglich sein muss (aber bitte: nur non-kommerzieller Verkauf). (5)

8)   Wer als Politiker von seiner Partei wegen geiziger Abgeordneter nicht bezahlt werden kann und nicht die (von Bernd Schlömer übrigens ungenutzte!) Möglichkeit hat, Parteiarbeit während eines Verwaltungsjobs zu machen, hat Anspruch auf

  1. Hartz IV (wenn er sich nicht völlig bescheuert anstellt und mit zehntausend Arbeitsstunden pro Woche herumprahlt). (5)
  2. Spendengelder (nie waren Politiker so unabhängig). (5)
  3. TV-Sendezeit (Twittern vor laufender Kamera befriedigt auch). (5)
  4. Burnout (bringt auch Schlagzeilen und ist noch einfacher als ein Buch über seine Netzjugend zu schreiben). (5)

9)   Gema: Die ist scheiße, wie jeder Idiot vor allem weiß. Deshalb

  1. sollte man gar nicht erst wissen, was da Sache ist. (5)
  2. ist Google / Youtube mild, barmherzig und wohltätig, so wie auch die Besitzer großer Szene-Clubs. (5)
  3. ist jedem angehenden Musikautor von einer Gema-Mitgliedschaft dringend abzuraten. (5)
  4. kann man als Pirat dennoch Gema-Mitglied sein und die Vorteile mitnehmen, sofern man wie Bruno Kramm öffentlich durch Besoffenen-Reime klar macht, dass die Gema scheiße ist. (5)

10)                Urheber sollen von der Piratenpartei selbstverständlich effektivst gestärkt werden. Das ist mit dem Gründungsmythos aufs Engste verbunden. Deshalb müssen

  1. ihre Rechteverwalter (Verlage und Verwertungsgesellschaften) geschwächt werden. (5)
  2. Schutzfristen für neu geschaffene Werke verkürzt werden (Schutzentzug macht stark!). (5)
  3. schutzfähige Werke über das Durchschnittsschaffen erhaben sein – die Einstufung erfolgt durch den Pi-Rat (Reichskulturrat 2.0). Messlatte: „Klick Mich“ von Prinzipienuschi [unblocked] Schramm. (5)
  4. Bildungseinrichtungen von Urheberrechtsabgaben befreit werden, damit Autoren mit Bildungsanspruch endlich vom Markt verschwinden und die Piratenpartei nicht länger durch lange recherchierte Scheiß-Fakten belästigen. (5)

11)                ÖPNV muss ohne Fahrschein nutzbar sein. Daher

  1. muss man zur Gegenfinanzierung auf die teure Verfolgung des Schwarzfahrens verzichten. Das haut schon hin. (5)
  2. braucht man offenes WLAN – moderne Menschen müssen dann weniger Bus und Bahn fahren. (10)
  3. muss mehr Service statt Kontrolle durchgesetzt werden. Das spart richtig Kohle. (5)
  4. kann man so auch die Verschuldung der Städte reduzieren. Logisch. (10)

12)                Als Politiker musst du dich zu vielen Themen überzeugend äußern können und solltest auch ein Spezialgebiet haben. Mit Piraten-Mandat

  1. wird das hinfällig – Labern reicht vollkommen. (5)
  2. darfst du zu neuen Themen keine mit der Führung unabgesprochene eigene Meinung haben. (5)
  3. musst du immer das sagen, was die Netzgemeinde (genau wie die Führung) diktiert. (5)
  4. kommt es viel cooler und selbstbewusster an, wenn du keine Ahnung hast und dazu stehst. (5)

13)                Bildung: Sie ist eines unser wichtigsten Güter. Daher sollte

  1. die Schulpflicht abgeschafft werden. (5)
  2. eine Bildungspflicht eingeführt werden. (5)
  3. jeder an jedem wissenschaftlichen Artikel im Netz mitschreiben können (stetige Verbesserung). (10)
  4. der Besitz von Kinderpornos legalisiert werden. (7,5)

14)                Transparenz ist für Piraten heilig. Das bedeutet, man darf

  1. Journalisten von Parteisitzungen ausschließen. (5)
  2. Kommentare auf seinem eigenen Blog zensieren. (5)
  3. Parteifunktionäre feuern, die öffentlich über Parteibeschlüsse reden. (5)
  4. per Liquid Feedback ermittelte Umfrageergebnisse dank anonymisierter Wahl nach Belieben manipulieren. (5)

15)                Hacker-Angriffe auf Websites von Unternehmen und Organisationen

  1. müssen erlaubt sein, weil sie berechtigten Protest äußern. (5)
  2. können jederzeit im Namen von Anonymous geschehen. (5)
  3. schaden den angegriffenen Unternehmen nicht, wenn sie nur deren Website unerreichbar machen (das Unternehmen besteht ja weiter). (5)
  4. sind eine heilsame Ersatzbeschäftigung für jugendliche Mitläufertypen. (10)

16)                US-Fernsehserien sofort nach Veröffentlichung ins Netz gestellt zu bekommen,

  1. ist ein Menschenrecht. (5)
  2. ist so wichtig, dass illegaler Download selbstverständlich ist, falls das legale Angebot später kommt. (Wer sich wehrt, wenn er überfallen wird, muss sich auch nicht über Gewalt wundern.) (5)
  3. ist Bedingung für Teilhabe an der Informationsgesellschaft. (5)
  4. hilft der TV-Branche, moderner und schneller zu werden. (5)

17)                Sharing (von digitalisierten Kulturgütern)

  1. nützt den Künstlern mehr als es ihnen schadet. Das belegen sämtliche von Google finanzierten empirischen Studien. Die Künstler merken es nur nicht, weil sie zu blöd sind. (5)
  2. is caring (kennt man schon aus der Grundschule, wenn einem das Poesiealbum weggerissen und überall herumgereicht wurde). (5)
  3. macht heute jeder und muss entkriminalisiert werden. (5)
  4. ist genau so anspruchsvoll wie das Schaffen von Kulturgütern, weil es durch die digitale Technik unfassbar einfach ist, Kulturgüter zu schaffen (Copy/Paste/Fertig). (5)

18)                Falls Filesharing wirklich entkriminalisiert werden muss, weil das sowieso jeder macht (s. Frage 15, noch mal genau nachdenken!), dann muss auch

  1. Taschendiebstahl in asozialen Stadtvierteln entkriminalisiert werden. (10)
  2. dichtes Auffahren auf der Autobahn vom Bußgeld befreit werden. (10)
  3. Steuerhinterziehung belohnt werden. (10)
  4. Fahrradfahren bei Nacht ohne Licht gefördert werden. (10)

19)                Wer es als Künstler nicht aushalten kann, dass jeder mit seinen Werken machen kann, was er will

  1. sperrt auch seine Kinder zu Hause ein, wenn sie erwachsen werden. (5)
  2. ist kein echter Künstler – die denken nicht an Geld. (5)
  3. ist ein Weichei und kein hartgesottener Hochseepirat. (5)
  4. trauert den Pferdekutschen hinterher. (5)

20)                Drogenkonsum und -besitz gehört entkriminalisiert, denn

  1. nicht Drogen sind schlimm, sondern die Sucht ist es (was können die Drogen dafür?). (5)
  2. die leichte Verfügbarkeit von harten Drogen führt zu einem verantwortungsvolleren non-kommerzliellen Umgang mit ihnen. Übung macht den Meister! (5)
  3. der Mensch hat ein Recht auf Rausch. Rauschunterdrückung muss aufhören. (5)
  4. auf Droge können politische Probleme sofort gelöst werden. (10)

21)                Software-Kopierschutz gehört verboten,

  1. weil Kopierschutz künstlichen (moralisch verwerflichen) Mangel schafft. Die Piratenpartei ist für das Schlaraffenland und versteht nicht, dass es Leute gibt, die das nicht wollen. (5)
  2. die Autonomie des Privatbürgers durch Lizenz-Registrierung aufs Schlimmste beschädigt wird. Mit jeder Registrierung muss schließlich der Name gespeichert werden. Geht gar nicht! (5)
  3. weil’s ohne billiger ist und Kosten für öffentliche Haushalte reduziert werden können. (5)
  4. weil die Softwarehersteller dann mehr Software produzieren und ihre Zeit nicht mehr mit Schutzverfahren verschwenden. (10)

22)                Urheber brauchen statt der Durchsetzung des Urheberrechts:

  1. neue Modelle. (5)
  2. neue Modelle. (5)
  3. neue Modelle. (5)
  4. neue Modelle. (5)

Eimal durchatmen. Bist du dir sicher? Ja? Bei allen Fragen? Sonst wähle lieber das Ponader-SMS-Spiel. Das geht so: Suche dir im Netz die Handynummer von Johannes Ponader. Dann schau dir diese Frage an:

Welche der beiden Absichtserklärungen stammt von der Piratenpartei:

  • a  Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen.
  • b  Niemand hat vor, das Urheberrecht abzuschaffen.

Schreibe den Buchstaben der richtigen Antwort (a oder b) per SMS an Johannes Ponader. Du kannst zur Sicherheit auch beide Antworten hintereinander schicken. Pro SMS zahlst du 500 Euro. Die gehen direkt an Johannes Ponader, aber sobald er satt ist, überweist er den Rest an die Piratenpartei. Garantiert!

AK

HORROR! ALLE PARTEIEN FINDEN GEMA COOL!

Der tragische Mann, der seinen Austritt aus der Gema herbeisehnt, aber irgendwie nie schafft, macht aus seiner Not eine Tugend. Anstatt den ja so befreienden Wisch zackig zu unterkritzeln, wechselt er vom musikalischen Untergrund auf die politische Showbühne. Von dort aus beschimpft er pathetisch die Gema und rät aufstrebenden Musikautoren dringend ab, dem Verein beizutreten. Sein Name ist Bruno Kramm, und er ist Pirat. Er macht das fundamentale Wettern gegen den Verein, der seiner Meinung nach kriminell ist, aber auf dessen Vorteile er selbstverständlich nicht verzichten möchte, zur Methode seiner Selbstvermarktung – und demonstriert nebenbei Politikern aller Parteien, wie cool und politisch wertvoll die Gema ist. Sie bietet nämlich ideale Voraussetzungen zum Horror-Monster, dessen Bekämpfung von verfehlten politischen Zielen ablenkt und Wähler bindet. Die Parameter stimmen auf allen drei Seiten: beim Volk, bei der Gema und in der Politik:

Erstens. Wer weiß schon genau, was die Gema macht? Ist das nicht diese Behörde, die im mafiösen Schulterschluss mit der GEZ fiese Männer an die Haustüren schickt, wenn man zu Hause gesungen hat? Ist das nicht der Verein, der Youtube-Videos missgünstig sperren und Discos sterben lässt?

Zweitens. Die Gema ist anders als alle möglichen Lobby-Verbände, denn sie macht Politikern keine Geschenke. Sie korrumpiert nicht und ist damit nicht auf der Höhe der Zeit. Nicht einmal nette Konzerteinladungen oder andere indirekte Vorteile sind drin. Also kann man als Politiker allen Ärger, den man sonst der guten Stimmung wegen in sich hineinknickst, hier mal richtig rollen lassen.

Drittens: Musikautoren (Komponisten und Textdichter), deren Existenz an der Gema hängt, sind eine winzig kleine Minderheit in der Bevölkerung. Sie haben keine besondere politische Relevanz, zumindest nicht in großen, volkswirksamen Reden und Absichtserklärungen. Man kann also ruhig die Kuh im Dorf lassen. Ihnen die Arschkarte zuzuschieben ist, so im Ganzen betrachtet, verschmerzbar im Kampf um die Gunst der Stammtischler und Jawoll-Schreier.

Natürlich muss man als Politiker auch ein bisschen was tun, wenn man als Heilsbringer im Beifalls-Unisono baden möchte. Denn berechtigte Kritikpunkte gibt es überall. Das reicht im Ansatz nicht, wenn es um die Gema geht. Die Dinge gehören schon ein bisschen aufbereitet. In den Köpfen der hinreichend Ahnungslosen muss pauschaler Horror entstehen. Ja, Horror! Das ist nun mal Kramms Genre. Erleichternd kommt ihm zugute, dass Piraten sowieso nicht an Fakten oder Rechtsgrundlagen gebunden sind. Er kann so richtig aus dem Vollen schöpfen: Es ist doch unfassbar, dass die allermeisten Mitglieder der Gema rechtelos sind und im Verein nichts mitbestimmen dürfen. Horror! Kaum zu glauben, dass überhaupt jemand in der Gema ist. Es muss an Dummheit liegen. Klar, Dummheit! Kramm ist ja selbst das beste Beispiel. Dass er seine eigenen Rechte zur Mitbestimmung im Delegiertenwahlsystem verleugnet, ahnt man so erstmal nicht. Für Jawoll-Schreier oder zahlungsunwillige Musikverwerter ist er sofort gekauft als Märtyrer, der das Gema-Elend mitmacht, um andere treuherzig davor zu bewahren. Jemandem, der so ein hartes Schicksal freiwillig auf sich nimmt, nimmt man auch ab, dass die Gema mit omnipotenter Allmacht ausgestattet ist. Sie kann tun-und-lassen-was-sie-will. Gegen alles und jeden, ohne Recht und Aufsicht! Und nichts kann man dagegen machen – außer Piraten wählen. Horror! Dass nun bald die Clubs und Discotheken kläglich sterben müssen, weil die Gema sie durch kriminelle Selbstbedienung ruiniert, ist der Gipfel. Horror! Unfassbar ultra-unverschämte ca. 1,7 % des Gesamtumsatzes von Clubs und Discos sollen für Musikautoren abgeführt werden! Da greift man sich doch an den Kopf und fragt sich, warum Clubs und Discos überhaupt noch Musik spielen. Horror! Ja, und dass nur die von Natur aus stinkreichen Gassenhauer-Komponisten als angebliche „First-Class-Mitglieder“ der Gema an dem kläglichen Rest der Gema-Gelder, den sich nicht die gierige Verwaltung einsackt, zusätzlich bereichern, während unbekannte Szene-Komponisten und Newcomer leer ausgehen, ist auch Horror! Raubtierbestien sind die Gema-Leute! So muss man es aufbereiten. Dass diese „Bestien“ aufgrund von Förderungsmaßnahmen sogar mehr als den Anteil, den sie ausgeschüttet bekommen, für die Musikautorenschaft erwirtschaften, weiß ja keiner. Dass neue Mitglieder nicht einen Cent weniger für eine Werknutzung ausgeschüttet bekommen als jedes andere Mitglied, und zwar vom ersten Tag an, kann man bei so viel Horror auch nicht glauben. Und wer kennt dann noch die Netto-Einzelverrechnung? Wer (t)wittert, dass Kramm auf einem bereits abgeschafften Abrechnungsverfahren herumreitet? Ist doch auch egal!

Es geht darum, dass endlich jedem halbwegs uninformierten und damit politisch wertvollen Kulturbanausen klar wird: Kultur stirbt, wenn man die Gema nicht stoppt! Wen interessiert, dass viele kleinere Veranstalter nach der Tarifreform 2013 finanziell entlastet werden? Das ist nicht horrortauglich. Besser klingt es so: Wenn Großveranstalter vergleichbar zur Kasse gebeten werden wie die Kleinen, werden die Großen reihenweise dicht machen müssen. Und die Kleinen natürlich auch. (Ihnen fehlt wohl nach der Entlastung der nötige Drive, sich hochzuarbeiten?) Irgendwie so. Wie auch immer. Alles Scheiße! Der Schreichor bestätigt es. Und wir werden bald nur noch Mainstream hören. Vielfalt wird von der Gema „gleichgeschaltet“! Da haben wir ein richtig knalliges Horrorwort! 

Jetzt kapiert? Horror! Faire Bezahlung der Musikautoren? Die Worthülse ist auch in Kramms Repertoire. Aber da von dem Geld, was die Gema einnimmt, bei den „Musikern“ ja nichts ankommt, weil es in mafiösen Horror-Löchern versickert, kann man ja gleich diese Einnahme streichen. Ja, „Musiker“ sind immer häufiger gar keine Gema-Mitglieder, sagt er. Da muss es doch jedem maximal Halbwissenden einleuchten, dass die Gema für alle schlecht ist. Wer weiß denn schon, dass „Musiker“ gar nicht in der Gema organisiert sind und auch nie waren, sondern nur Musikautoren, damit auch die Autoren etwas bekommen, wenn „Musiker“ ihr Repertoire benutzen. „Musiker“ bekommen ihr Geld von der GVL, während es die Gema zum Teil für sie eintreibt. Wenn sie jammern, dass sie von der Gema nichts bekommen, könnte man sie kurzerhand aufklären und beruhigen. Aber politisch wertvoller ist es, sie ihn ihrem Unwissen aufzustacheln. Dann kann man suggerieren: Auch die Musiker selbst sind gegen die Gema. Raffiniert. Ja, so muss Politik! Im Übrigen weiß ja wohl jeder, dass das Gema-Geld sowieso immer bei Dieter Bohlen landet, nachdem es durch die Löcher gesickert ist. Kann die Gema nicht endlich eine moderne Musikzensur einführen und Bohlen aus dem Geschmack der Menschen ausradieren? Und kann sie nicht bitteschön ihre Einnahmen gerecht nach Gießkannenprinzip an die Mitglieder verteilen, so dass einfach jeder Bundesbürger Gema-Mitglied wird und seinen Cent bekommt? Stattdessen zockt die Gema Millionen ab, um der Menschheit wider ihren Willen nichts anderes als Dieter Bohlen anzubieten. Horror!

Fest steht also: Die Gema ist an ganz vielem Ärger schuld, den jeder Einzelne täglich erleiden muss. Das muss man einfach geschickt abrufen, und fertig ist der Lack. Ob man es besser weiß oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Scheiß-Gema! (Und Scheiß-GEZ! Und Scheiß-IHK! Soviel Zeit für Anstand muss sein! Den Scheiß-Parkuhren widmen wir uns, wenn die großen Ziele erreicht sind.) Um den Leuten eine eigene Rolle in seinem Horror-Theater zu geben, muss der Demagoge natürlich reimen. Los geht’s: „Wir – sind – hier, wir – sind – laut, weil – ihr – uns – die – Dis – cos – klaut!“ – Jawooolllll! Weiter: „Kul – tur – rettn’, Gema – an –Kett’n!“  – Jawooolllll!

Die Piraten haben Schwein mit Kramm. Aber sie müssen dennoch aufpassen. Von rechts wie links setzen Politiker aller Parteien geradezu krammpfhaft zum Wettbewerb an. Nehmen wir Klaus Wowereit. Der hat irgendwie jetzt auch verstanden, dass die Gema cool ist – allemal politisch wertvoll genug, um vom Debakel um den Neubau des Großflughafens Berlin-Brandenburg abzulenken. Es ist doch wirklich Horror: Die Gema missbraucht ihre Stellung als Monopolist! Und Wowereit ist der erste, der es der Allgemeinheit ehrlich und offen sagt: Die Gema vertritt die Interessen einiger weniger! Da muss man erstmal schlucken. Horror! Ein Verein, der für Rechte einer Minderheit eintritt? Wie soll das denn bitte die Mehrheit finden? Wie soll es dann Wählerstimmen bringen, für die Gema einzutreten? Und der Verein zielt auf eine ungerechte Verteilung der Erlöse ab. Schluss mit lustig! Scheiß auf den Flughafen und Scheiß auf Musikautoren! Die Gema wird gebasht, und das ist gut so!

Ja, da staunt man, wer plötzlich ultramoderne Politik kann, auch wenn er es, wie SPD-Kanzlerformatmann Dr. Frank Walter Steinmeier, erst noch übt. Jüngst wagte er, wie Zeugen berichten, die Aussage, die Gema müsse aufhören, Abmahnungen zu verschicken. Pause. Vor so viel Horror müsste Bruno Kramm eigentlich seinen Cowboyhut ziehen, und die Jawoll-Schreier müssten still werden: „Puh, wusste ich gar nicht. Na, da habe ich aber Glück, dass ich noch keine Abmahnung von der Gema bekommen habe. Gleich mal zu Hause anrufen. Halt! Oh Gott, der geleechte Klingelton…“ Steinmeier ist auch für eine runderneuerte Gema, die nicht nur die Mainstream-Stars versorgt. Markige Worte! Das überzeugt den, der nicht auf die Idee kommt, dass es Steinmeiers Redenschreiber sein könnte, der außer den Mainstream-Stars niemand von der Gema Vertretenen kennt. Naja, Steinmeier hat den Horror – anders als Kramm – nicht mit der Muttermilch aufgesogen. So hat ihn recht bald der Grusel ob des Widerhalls seiner eigenen Worte gepackt und ihn zu einem beschwichtigenden Bekenntnis veranlasst: Ich bin für die Gema.

Aber Brunos Konkurrenz schläft beileibe nicht. Regelrecht piratig hält es die zu Unrecht für bieder verschriene Junge Union Baden Württemberg. Vielleicht als Fähnchen im Wind des CDU-Bundestagsabgeordneten und DEHOGA-Schutzheiligen Christian Freiherr von Stetten. Sie stellt die Gema in einem preisverdächtigen Kurzfilm im Rahmen ihrer Kampagne „Hey Gema!“ als Organisation mafiöser Schutzgelderpresser dar. Wen interessiert, dass die Mutter-Partei sich gut mit dem Branchenverband DEHOGA steht und die Hotel- und Gastro-Lobby ihre Klientel ist und die sich nun mal mehr für die Vorteile der ganz großen Clubs interessiert (und ja auch für Politiker eindeutig mehr Annehmlichkeiten bereit hält als die Gema)? Außerdem macht es, wenn man selbst immer als korrupt bezeichnet wird, einfach auch mal Spaß, die Schmach weiter zu geben. ‚Nicht wir sind mafiös, sondern die Gema! Prost, JUngs!’ Kann man eigentlich verstehen! Die Jungen Liberalen Bayern finden wohl knackig: „Gema weg“. (Musikautoren? Ach was, die bilden doch kein echtes Unternehmertum ab. Als Unternehmer muss man verstanden haben, wie man an Musik herankommt, ohne dafür zu zahlen. So lebt es die IT-Branche vielfach vor. So machen es die ganz Großen. So macht es Google.) Der Kulmbacher Stadt- und Kreisrat der FDP, Thomas Nagel, will mit der Forderung, die Gema abzuschaffen, bald weiter nach vorne preschen. (Mal ehrlich: Musikveranstaltungen lohnen sich für Veranstalter nicht, wenn sie auch für Musik effektiv bezahlen müssen.) Nagel will statt der Gema eine Direktvermarktung der Künstler ohne teure Mittelsmänner. Dass er offenbar nicht mal im Ansatz kapiert hat, was die Gema den Veranstaltern für Vorteile bringt und dass Radio, Fernsehen, Clubs, Discos, Konzerte und so ziemlich alles, wo Musik gespielt wird, zusammenbrechen würden ohne eine Verwertungsgesellschaft, die ihnen Lizenzen sichert, weil dann jeder Musikautor mit jedem Verwerter und Aufführenden einzeln verhandeln müsste, braucht dabei ja nicht zu interessieren. Ähnlich kompetent ist die NPD Leipzig, die ja auch „jung, dynamisch, zukunftsorientiert“ ist und folgerichtig erkennt, dass die Gema geldgierig ist. Sie lehnt das Drehen an der Gebührenschraube ab. Die digitale Linke hat natürlich verstanden, dass Abgaben auf USB-Sticks ebenso Mist sind wie transparente, lineare Veranstaltungstarife. Und ein Gespür für das Coole und politisch Wertvolle der Gema haben selbstverständlich die Grünen, z. B. in Berlin: Es kann doch wohl nicht angehen, dass die Gema über das Singen von Liedern im Kindergarten streitet und Youtube-Videos blockiert! Horror! Wer weiß denn schon, dass Kindergärten für wenig Geld das Kopieren von Notenheften erlaubt wird, sie dadurch Geld für deren Kauf sparen und für das Singen niemals Abgaben erhoben werden? Wer weiß, dass die Gema nur das Inkasso für die VG Musikedition übernimmt? Wen interessiert, dass Youtube selbst die Videos sperrt und die Verhandlungen blockiert, um die Gema anzuschwärzen? Die Bundes-Grünen fordern auch schon mal eine Schutzfristenverkürzung (damit Autoren endlich auch mal was Neues schaffen und man sich ihr Werk sofort nach ihrem Tod schnappen kann! Scheinbar sind Autoren nicht biologisch abbaubar, sonst würden die Grünen besser mit ihnen umgehen und sie nicht enteignen!). Nur Agnes Krumwiede als besonders musikalische Abgeordnete der Grünen traut sich, Youtube (also Google) zu kritisieren und für die Gema Stellung zu beziehen. Was sagt man dazu? Anti-Horror? Für ihre Partei ist es aber allemal Horror. Sie mag als einzige verstanden haben, wozu die Gema gut ist, aber sie hat nicht verstanden, wie politisch wertvoll und cool die Gema ist, wenn man sie basht. Und mit Google sollte man es sich als moderner Politiker bloß nicht nicht verscherzen. Musikautoren über die Klinge springen zu lassen, ist weitaus vernünftiger. Was soll schon passieren? Musik bekommt man aus aller Welt, im Zweifelsfall umsonst. Aber Wähler bekommt man nicht aus aller Welt und ebenso wenig umsonst. Und Zuwendungen von Google bekommt man halt nicht, wenn man sich für den Schutz von Autoren-Rechten ausspricht. Da muss man schon auch Opfer bringen und sollte gut auf den großen Einflüsterer hören.

Also, liebe Piratenpolitiker aller Parteien: Schlagt auf die Gema ein! Immer drauf! Jede Stimme zählt! Horror!

AK

Nachtrag am 09.10.2012: Angie, du bist die Beste! Zwar brauchst du ein bisschen länger als deine aalglatten Vorreiter, aber jetzt hast du’s ja auch kapiert: „Man kann ja fast kein Fest mehr feiern, weil man sich dumm und dämlich bezahlt.“ (Angela Merkel) Horror! Mehr haben dir deine Berater nicht gesteckt? Oder hast du in deinem Leben einfach verdammt viele Feste gefeiert und führst uns das Resultat der Gema-Zahlungen in Person vor?

Feyd Braybrook's Blog

zu Wort die Gegenseite

MUSIC • TECHNOLOGY • POLICY

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ArtLeaks

It is time to break the silence!

Virch

Notizen

The Trichordist

Artists For An Ethical and Sustainable Internet #StopArtistExploitation

campaignwatchers.de

Kommunikationswissenschaftler beobachten Wahl- und Werbekampagnen

A Composers Diary

Der Schrei nach Musik, dem richtigen Song und Gerechtigkeit

Widerhall

Über Medienarbeit und die Messung ihres Echos

der gespaltene westen

Nachdenken über Lebensaspekte in der postmodernen Welt

Ein Poesiealbum

Ideen/Gedanken/Sinvolles/Sinnfreies

11k2

11.200 m/s: Zweite kosmische Geschwindigkeit. Genügt, um die Erde zu verlassen.

Zentrale für subKulturelle Angelegenheiten

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Gerswind

Am Ende steht der Sieg!

Worte, situationsbedingt

Marc Oliver Dreher

Waffen - Waffenbesitzer - Waffenrecht

Freiheit - Liberalität - Bürgerrechte